So, ich teile das ganze jetzt einfach mal auf, vielleicht ists dann einfacher zu lesen 😀

Die Fahrt nach Nagasaki ist immer ein kleines Erlebnis, erstmal fährt man an der Ariake See vorbei, ein schönes Binnenmeer, das riesengroß ist! Und dann liegt Nagasaki in einer richtig bergigen Gegend! Es ist von drei Seiten von Bergen umgeben und das heißt für die Bahnfahrt dorthin: Druck auf den Ohren!! Das kann manchmal schon ziemlich schlimm sein, aber ich war ja halbwegs vorbereitet 😀

Das richtig blöde war: ich hatte mal wieder Zahnschmerzen. Aber so richtig heftige in meinem hinteren Backenzahn. Es war wirklich nicht mehr auszuhalten und ich hatte mich schon bereitschlagen lassen in Nagasaki zum Zahnarzt zu gehen. Doch erst einmal wollten wir in unserer Herber ge einchecken.

Das blöde war nur, dass von 13-15 Uhr Lunchbreak war und wir natürlich um viertel vor zwei dort ankamen und dann erstmal eine Stunde warten mussten. Zum Glück konnten wir uns in die Lounge setzen und dort ein wenig im Internet surfen. Das ganze Hotel machte direkt einen sympathischen Eindruck, schon im Eingangsbereich waren überall Poster über die Gegend, was man sich angucken sollte, nette Beschreibungen zu den Inhabern und den Staff-Membern. In der Lounge gab es eine komplett eingerichtete Küche, mehrere Tische, Fernseher, DVD Player und eine sehr gute DVD Auswahl (natürlich auch mit Lost in Translation, Last Samurai, Kill Bill und mehreren Disney Filmen), drei PCs und einem langen Tisch mit unglaublich vielen Informationsblättern zu allen Sehenswürdigkeiten in Nagasaki und der Umgebung. Außerdem gab es noch Unmengen an Informationen über Hotels in anderen Städten. Ich war schon froh zu sehen, dass unsere Hotels in Beppu und Osaka auch alle vertreten waren. Wenn diese auf den ersten Blick nur einen halb so guten Eindruck hinterlassen würden, hätten wir schon die richtige Wahl getroffen.

Um drei Uhr kamen dann Shingo (der Besitzer) und ein weiterer Mitarbeiter von der Mittagspause zurück und entschuldigten sich erstmal tausendmal, dass wir warten mussten. Dann checkten wir ein, auch alles total lustig und nett und wir fragten direkt, ob sie denn einen guten Zahnarzt in der Nähe kennen würden. Sie machten sich direkt auf die Suche im Internet nach einem Arzt, der gute Kritiken bekommen hatte, vor allem was Freundlichkeit und Behutsamkeit anging, damit ich mir keine Sorgen machen musste. Ich hätte wohl sagen müssen, dass ich vor Zahnärzten wirklich keine Angst mehr habe, dazu war ich viel zu oft bei den unterschiedlichsten Typen an Ärzten 😀

Sie zeichneten uns extra eine kleine Karte bis zum Arzt, staffierten uns sonst mit allen möglichen Informationen aus (u.a. eine selbst gezeichnete große Karte von der gesamten Umgebung mit Tipps zu guten Restaurants und Shopping Möglichkeiten, wirklich unbezahlbar!!) und so gingen wir los zum Zahnarzt.

Dort angekommen wurde mir natürlich sofort klar, dass der niemand wirklich englisch verstehen würde, aber mir war alles so egal, Hauptsache die Schmerzen würden bald aufhören. Die Dame an der Rezeption war natürlich erstmal verwundert, dann besorgt wegen meiner Versicherung, aber ich stellte eigentlich alles klar und wir hatten ja auch genug Zeit mitgebracht, mir war schon klar, dass es länger dauern würde. Den Fragebogen konnte ich auch so halbwegs ausfüllen, das war ich ja mittlerweile auch schon durch mehrere Arztbesuche gewöhnt.

Eine kurze Zeit später kam eine Mitarbeiterin auf mich zu und ging mit mir in einen separaten Raum. Sie hatte ein Buch dabei, wo alle wichtigen Fragen auch auf deutsch (!!!!) standen. Insgesamt waren alle wichtigen Fragen in 17 oder 18 Sprachen vertreten, also hätte ich mir auch ohne japanisch-Kenntnisse keine Sorgen machen müssen. Sie war wirklich sehr nett, entschuldigte sich auch hundertmal, dass wir so lange warten mussten und meinte, dass nur noch ein paar Sachen vorbereitet werden müssten und es dann losginge. Daniel wartete im Vorzimmer und musste sich grausame japanische Videos von irgendwelchen Zahnmassage Geräten oder sonstwas angucken. Außerdem hingen überall Fotos mit ekligen Zähnen, also Abschreckungsfotos… Gut war aber, dass auf einem Fernseher Monster AG lief, das lenkte zumindest ein wenig ab ;D

Der Zahnarzt selber war sehr nett, ich verstand sein japanisch sehr gut, er lobte mein japanisch (auch wenn ich nicht wirklich viel sagen musste…) und insgesamt konnte er die Schmerzen schon lindern. Ich wurde geröntgt (auf dem Sitz selber, auch mal eine Erfahrung!!), dann wurden Fotos von dem Zahn gemacht und er musste ein wenig rumbohren und eine provisorische Füllung anlegen. Es tat ihm sehr leid, dass er nicht mehr machen konnte, aber mir war schon direkt bewußt, dass er sein möglichstes getan hatte und ich jetzt einfach abwarten musste. Er meinte noch, dass ich mir auf jeden fall Painkiller besorgen sollte und direkt in Deutschland zum Arzt gehen sollte.
ich bedankte mich sehr, ging dann nach vorne und war schon auf das Schlimmste gefasst. Ich musste ja die Rechnung erstmal selber bezahlen, in Deutschland könnte ich dann das Geld wieder kriegen, zum Glück hatten wir noch viel Bargeld dabei, das alles schwirrte mir im Kopf rum, als die Dame am Empfang dann meinte: 3000 Yen bitte. Und ich dachte mir nur, häää? Eine halbe Stunde mit der Arzthelferin verbracht, dann Röntgen, dann noch die Fotos, die Behandlung an sich und dann noch die Arbeitszeit von dem Arzt und NUR 3000 yen? Selbst bei dem schlechten Euro Kurs sind das nuur 25 Euro, das ist ja nur die 2,5 Fache Praxisgebühr!! Mit Sicherheit ein absoluter Mitleids- und Freundschaftspreis, aber ich bezahlte schnell und wir huschten nach draußen. Mir gings aber ziemlich dreckig, das ganze Rumgebohre und so weiter fand ohne Betäubung statt und ich war total hinüber wegen der ganzen Schmerzen. Wir kauften also nur noch schnell Schmerztabletten und schlenderten nach Hause. Wir gingen zwar durch das komplette Chinatown Viertel aber so wirklich viel habe ich davon nicht mitbekommen. Zumindest tat die Frischluft sehr gut, Daniel wollte ja zuerst mit der Bahn zurückfahren, aber ich war sehr dankbar an der etwas kühleren Luft rumzulatschen.

Nachdem ich im Hotel erstmal zwei Stunden geschlafen hatte (unser Zimmer war übrigens äußerst klein, aber egal, es hat vollkommen ausgereicht!) gingen wir dann nochmal los zu den nicht weit entfernten Shopping Straßen. Leider hatten die meisten Geschäfte schon zu, aber wir fanden einen guten Kaiten-Sushi Laden (am Fließband) und ich konnte sogar ein wenig essen.

Am nächsten Tag hatte ich immer noch Schmerzen, zwar nicht mehr so akute, aber ich merkte den Zahn ständig. Die Schmerztabletten halfen schon ziemlich gut, aber ich sollte nur drei Stück am Tag nehmen, also mussten die wenigen schmerzfreien Stunden gut genutzt werden! Zuerst wollten wir in das Pinguin Aquarium! Wir hatten am Tag vorher die Broschüre unten in der Lounge gelesen und der Besitzer hatte uns auch versichert, dass es sich absolut lohnen würde. Seine Frau Nana zeigte uns sogar Handy-Fotos von den Pinguinen!

Shingo saß unten an der Rezeption und meinte, dass er uns gerne dorthin fahren würde! Ansonsten wären wir sicher noch 45 Minuten unterwegs gewesen und hätten am Hauptbahnhof Nagasaki umsteigen müssen, also fragten wir erst ein paar mal, ob es wirklich ok wäre, aber er meinte, er hätte eh noch etwas zu erledigen, also könne er uns ruhig fahren. Wir waren so unglaublich dankbar und die Fahrt zum Park war auch mal wieder ein richtiges Erlebnis! Daniel machte die ganze Zeit Witze mit Shingo und wir hatten ziemlich viel Spaß. Der Park war wirklich super, es gibt dort fast nur Pinguine, acht verschiedene Arten, die andauernd gefüttert werden und einfach nur klasse sind! Pinguine eben 😀 Was soll man dazu schon groß sagen, es war richtig toll!

Zurück fuhren wir dann mit dem Bus und wollten in Nagasaki erst was Essen gehen, bevor wir uns das Atombomben Museum und den Peace Park angucken wollten. Wir bestellten uns also richtig leckres Zeug im Cocos (Ein weiteres Familienrestaurant), aber natürlich fingen direkt dann meine Zahnschmerzen wieder an. Das ging ja irgendwie noch, ich konnte ja eine Tablette nehmen, aber Daniel bekam heftige Magenkrämpfe. Das lag nicht am Essen, er hat das eben ab und zu, aber es war schon richtig schlimm…

Also strichen wir das ganze Atombomben-Programm und fuhren erstmal wieder ins Hotel. Nachdem es Daniel wieder besser ging wollten wir noch mit der Seilbahn auf einen Berg fahren, aber als wir an der Haltestelle ankamen fing direkt ein heftiger Sturm an und es gießte wie aus Kübeln. Wir eilten also in das nächste Shopping Center und strichen die Seilbahnfahrt aus unserem Programm, da es am nächsten Tag wahrscheinlich nicht besser wurde. Auch dieses Shopping Center hatte mal wieder ein Kino, eine Spielhalle, mehrere Restaurants, einen Supermarkt und natürlich tausend Kitsch-Shops und Klamottenläden, also konnten wir einige Zeit vertrödeln. Bei Starbucks gönnte ich mir nochmal einen Matcha Frappucino und Daniel einen Gingerbread Latte, danach fuhren wir wieder zurück ins Hotel, wo wir The Incredibles auf DVD anguckten.

Am nächsten morgen hatte ich keine Schmerzen mehr! Juchuuu! Der Arzt hatte recht gehabt, irgendwann würden die Schmerzen weggehen! Ich hatte mich eigentlich drauf eingestellt den Rest des Urlaubes auf Schmerzmitteln zu verbringen, aber so war das ganze natürlich viel, viiiiiel besser. Wir hatten ja auch viel vor an dem Tag, wir konnten beide Tage davor ja nicht viel machen. Wir liefen also zuerst nach Dejima. Das ist die frühere „Insel“ auf die die Japaner während der Tokugawa Zeit die Holländer verbannt hatten. Japan hatte sich ja 200 Jahre lang abgeschlossen von der Außenwelt und verbannte die Holländer auf diesen kleinen Bereich, um ab und zu mit ihnen zu handeln. Dejima war die einzige Verbindung zur Außenwelt bis zur Öffnung Japans und der Meiji Restauration. Mittlerweile liegt Dejima mitten in Nagasaki, zwar noch ziemlich nah am Hafen und direkt an einem Fluss, aber man kann sich irgendwie nicht vorstellen, dass es wirklich mal eine ganz abgetrennte Insel war. Es war wirklich interessant und ich freue mich, dass wir das Ding endlich mal gesehen haben. Immerhin lese ich grade ein Buch was genau zu dieser Zeit in Nagasaki spielt, da war es doch schon ziemlich spannend das ganze mal mit eigenen Augen zu sehen.

Wir liefen danach noch zum Hafen, aber das Wetter wurde immer schlimmer. Wir mussten uns ziemlich oft unterstellen und wollten einfach nur noch in das nächste Museum. Also fuhren wir zum Atombomben Museum, was auch beim zweiten Mal sehr informativ aber natürlich auch bedrückend war. Wir schauten uns nur kurz den „Einschlagpunkt“ (eigentlich ja 500 m darüber) und den Peace Park mit der hässlichsten Statue aller Zeiten an, weil es einfach so regnete und wir schon unglaublich nass waren und fuhren dann schnell zum Bahnhof, wo wir essen gingen. Diesmal gab es eine leckere Udon Nudelsuppe, mit selbstgemachten dicken, weißen Udon Nudeln! Sehr, sehr lecker, Udon ist genauso wie Ramen immer eine gute Idee!

Zurück im Hotel nutze Daniel erstmal Skype aus um seine Eltern anzurufen, 1 Minute kostet unglaublcihe 1,7 Cent, da kann man wirklich nicht meckern. Wir müssen einfach öfter über Skype anrufen, eigentlich ist das günstiger als so zu telefonieren 😀 Nur haben wir ja zu Hause eine Festnetzflatrate ^^ Ich konnte auch mit meinen Eltern telefonieren, diesmal komplett über Skype und noch mit einigen Schwierigkeiten, aber wenn die Verbindung besser wird sollte es eigentlich wieder normal hinhauen.

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